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Sonntag, 21. Oktober 2018

Samstag, 28. März 2009 10:55 Alter: 10 Jahr/e

BR-Chefredakteur Gottlieb auf Katastrophenschutzkongress in Weiden: ehrenamtliches Engagement muss zum Thema Nummer eins in den Medien werden

Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks und Schirmherr des Kongresses: "Dies ist eine Versammlung von Vorbildern und Leitbildern in unserer Gesellschaft, die ja tagtäglich so nach Orientierung sucht."

Dieter Deinert, stellvertretender Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes und Brigitta Hausl-Wieschalka, Bezirksbereitschaftsleiterin Niederbayern/Oberpfalz, eröffnen offiziell die Kongresse. Fotos (2): G. Bücherl

In Weiden findet vom 27.-29. März der 6. Bayerische Katastrophenschutzkongress mit zweitem Fachkongress Rettungsdienst statt (wir berichteten). Schirmherr ist in diesem Jahr Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. Etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Hilfsorganisationen tauschen sich ein Wochenende lang über Unterstützungsangebote für Helfer nach belastenden Ereignissen, Zivil- und Katastrophenschutz bei europäischen Nachbarn und grenzüberschreitende Kooperationen bei Einsätzen aus.

Zur offiziellen Eröffnung des 6. Bayerischen Katastrophenschutzkongresses in Weiden begrüßte Kurt Seggewiß als Oberbürgermeister die etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich in seiner Stadt. Er freute sich, bereits zum sechsten Mal Gastgeber für den kollegialen Austausch für im Bevölkerungsschutz Engagierte sein zu dürfen. Weitere Grußworte sprachen Simon Wittmann, Landrat des Landkreises Neustadt an der Waldnaab sowie Staatssekretär Markus Sackmann, Vorsitzender des Bezirksverbandes Niederbayern/Oberpfalz des Roten Kreuzes. Die Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes, Christa Prinzessin von Thurn und Taxis, ließ sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen, ließ aber ihre herzlichen Grüße übermitteln und wünschte der Veranstaltung viel Erfolg.

Höhepunkt der offiziellen Eröffnung durch Brigitta Hausl-Wieschalka und Dieter Deinert war der Impuls von Schirmherr Sigmund Gottlieb.

Gottlieb betonte, die Medien müßten sich wieder mehr den Helfern und ihren Leistungen widmen, die häufig ehrenamtlich erbracht würden. Man müsse sich des Stellenwertes des Ehrenamtes bewußt werden und dies entsprechend würdigen. Zugleich seien die Leistungen der Hilfsorganisationen dankbare Motive, da die Medien auf Bilder, Aktionen, Technik und Geschichten angewiesen seien.

Er formulierte einige kritische Fragen an seine eigene Zunft. So müsse man sich fragen, ob die Katastrophen nicht manchmal zu willkommenes Geschäft seien, um Quoten und Auflagen zu steigern. Dabei würden bisweilen Grenzen der Nähe zu den Schicksalen mißachtet. Zudem seien die Schicksale der Opfer nach kurzer Zeit vergessen, sobald andere, vermeintlich spannendere Schlagzeilen in den Vordergrund drängten. Auch die Nachfolgeberichterstattung und das Begleiten von Ereignissen mit langfristiger Perspektive komme häufig zu kurz. Schließlich konzentrierten sich die Medien sehr stark auf Opfer und Betroffene und vernachlässigten dabei die Helferinnen und Helfer und ihre Leistungen und psychischen Belastungen sträflich.

In Bayern sei ein Drittel der Bevölkerung ehrenamtlich engagiert, die Teilnehmer des Kongresses seien somit in ehrenwerter Gesellschaft. Insbesondere die Altersgruppe der 14-24jährigen sei ehrenamtlich sehr aktiv, was bei aller Schelte für diese Generation bemerkenswert sei. "Von wegen Null Bock - ich habe diesen Schwachsinn nie geglaubt", machte Gottlieb deutlich.

Ehrenamtliche schafften es in vorbildlicher Weise, ihre beruflichen und privaten Belastungen mit den ehrenamtlichen Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen. Dies täten sie häufig im Stillen, ohne ihre sozialen Höchstleistungen an die große Glocke zu hängen. Dies sei eine durchaus sympathische Haltung, die jedoch gegenüber den Medien dazu führen könne, dass den Leistungen zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet werde. Er ermunterte die Anwesenden dazu, selbstbewußt für ihre ehrenamtlichen Leistungen zu werben und aktiv auf die Medien zuzugehen.

Die ehrenamtlichen Leistungen seien Vorbild für Andere, deshalb müssten sie Thema Nummer eins in der Öffentlichkeit werden. "Die Medien tragen hier herausragende Verantwortung", so Gottlieb. Die ARD werde dieser Verantwortung unter anderem mit der Themenwoche zum bürgerschaftlichen Engagement gerecht, in der sich der Bayerische Rundfunk federführend engagiere.

Er dankte den Teilnehmern für ihr Engagement und wünschte dem 6. Bayerischen Katastrophenschutzkongress und dem zweiten Fachkongress Rettungsdienst gute Gespräche und viel Erfolg.

Brigitta Hausl-Wieschalka und Dieter Deinert erklärten die Kongresse daraufhin offiziell als eröffnet.